[Rezension] Abartige Geschichten – Grimm von Hrsg. Markus Lawo

Abartige Geschichten – Grimm, Anthologie, Hrsg. Markus Lawo

Independently published, 291 Seiten 

Klappentext

Es waren einmal … zwei Brüder, die sich in früheren Zeiten um die Verbreitung von allerlei Erzählungen bemühten, die heuer und allerorts als Märchen bekannt sind. In ihnen ging es am Ende stets verträumt-romantisch zu, und sie schlossen nicht selten mit den Worten »… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. «

Diese Schlussworte stehen vordergründig für das Überleben der Figuren, von denen die Geschichten erzählten. Hintergründig aber stehen sie auch für die beiden Brüder, die heute noch überlebensgroß für ihre damalige Leistung, diese Geschichten aufgespürt, gesammelt und verlegt zu haben, gewürdigt werden, sodass wir und unzählige Generationen von Kindern nach uns, sie vorgelesen bekommen konnten.

Es waren ebenso einmal zwei Brüder im Geiste, die sich bis in die heutige Zeit um die Verbreitung von allerlei Erzählungen bemühen, die sie in mehreren Bänden innerhalb dieser Reihe, die nicht zu Unrecht den Titel »Abartige Geschichten« trägt, verlegen. Ob ihnen dafür später einmal ein ähnlicher Ruhm zuteil wird, kann heute nur schwer vorhergesagt werden. Und selbst, wenn sehr stark bezweifelt werden darf, dass die Geschichten dieser Anthologie etlichen Generationen von Kindern vorgelesen werden könnten, so haben sie doch eines mit den Grimm‘schen Märchen gemeinsam: Diese waren nicht selten mit Gewalt, Blut und Erotik (zumindest vor der Überarbeitung der ersten Ausgabe damals) gespickt.

Und wenn mir die geneigte Leserschaft diesbezüglich keinen Glauben schenken mag, so lese sie doch einmal wieder eines der alten Märchen in seinem Original. Ich schlüge »Rotkäppchen«, »Aschenputtel« oder »Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen«, vor.

In diesem Sinne verbleibe ich mit den Worten »Und wenn Sie nicht zu Tode erschrocken sind, dann schmökern Sie noch heute«.

Ihr Bernar LeSton

Illustrationen & Musik

Passend zu den einzelnen Geschichten wurden diese wundervollen Illustrationen von Eulenfrollein angefertigt. Hier seht ihr meine Favoriten. Ich bin ganz verliebt in diesen Stil! Schaut gern auf ihren Profilen vorbei und stöbert ein bisschen durch ihre beeindruckende Galerie!

Auch gibt es natürlich wieder musikalische Untermalung passend zur Grundstimmung der Anthologie. Wie auch schon bei den Vorgängern haben hier Erdenstern etwas magisches gezaubert.

Meine Meinung

Du wirst Märchen nie wieder durch den unschuldigen Blick eines Kindes betrachten. Aber wenn dich diese Buch interessiert hast du die rosarote Märchenbrille gewiss ohnehin schon beiseite gelegt und bist bereit für abartige gute Unterhaltung.

In dieser Anthologie findest du eine wundervolle Auswahl an ganz unterschiedlichen Stilen und Interpretationen. Ich fand es sehr interessant wie die Märchen umgesetzt worden und ich bin nun definitiv neugierig auf die Originale und werde mich denen nach und nach einmal widmen.

Hier bekommst du alles geboten. Von düsteren Hinterhöfen, die dich auf abscheuliche Märkte fallen lassen über bestialisch brutale Übergriffe, entzündender Hass, der Fall des weißes Kaninchens und viele mehr.

Einige bestechen durch pure Gewalt und Brutalität, andere kommen auf leiseren Sohlen daher und beeindrucken mit ihrer Tiefe. Bei ein paar Geschichten hätte ich nur zu gern weitergelesen. Wie beispielsweise „Der Markt am Ende der Welt“, dessen Kreaturen mich faszinierten und „Ash“. Sie bieten so viele offene Möglichkeiten weiter einzutauchen. Besonders hängen geblieben ist vor allem „Der Junge und die verzauberte Krähenfeder“. Ich würde sagen sie ist eindeutig mein Favorit. Ich mag, wie sie eher ruhig daher kommt und doch so viel mehr zwischen den Zeilen hervor sticht.

Wenn dich abartige Geschichten reizen und du lesetechnisch auf Extreme stehst, kommst du hier voll auf deine Kosten. Mir ist aber auch bewusst, dass es eben nicht für Jedermann ist. Auch wenn ich gern in diese extremen Versionen eintauche, so lassen mich doch nicht alle Geschichten ganz kalt. Gerade wenn Kinder ins Spiel kommen reagiere ich heutzutage, als Mutter, deutlich empfindlicher.

Alles in allem wieder eine grandiose Sammlung abartiger Geschichten! Ihr könnt diese bereits auch in der Sammlung „Asylum“ und „Baker Street“ genießen. Beide auch sehr empfehlenswert.

Mitwirkende Autoren und ihre Titel

  • Germaine Paulus – Hundert Jahre tief
  • Ralf Kor – VERY BAD DWARFS
  • Markus Heitkamp – SCHWEINEFRASS
  • Erik R. Andara – DER MARKT AM ENDE DER WELT
  • Sonja Rüther – GOLDIE UND DIE BÄREN
  • Nici Hope – ASH
  • Nicole Renner – Der Junge und die verzauberte Krähenfeder
  • Jean Rises – Der Nekromant von Oz
  • Wolfgang Brunner – Die Narben kalter Küsse
  • Markus Lawo – DER HERZBUBE
  • Isa Theobald – GÖTTER
  • Sam Bennett – Licht und Schatten – (K)ein Wintermärchen
  • Joachim Sohn – DER GRIMM
  • Vincent Voss – DAS GIERIGE ARSCHLOCH
  • Sascha Dinse – GLITCH
  • Diana Kinne – Knusper, knusper …
  • Jacqueline Mayerhofer – Layandralien
  • Markus Kastenholz – MYTHOS!
  • Bernar LeSton – DES NACHTS

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